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Quelle: Tageszeitung
"El Dia" der Insel Teneriffa, Kanarische Inseln, Spanien
vom Sonntag, der 16. Juli 2006.
Einer, der nicht einmal den Ort auswählt, wo sein Leidensweg
zu beginnen hat - oder noch viel weniger die Wahl hat, wo man geboren
wird oder ob man weiterhin im Limbus schweben soll - also, der taucht
nun hier oder im abgelegensten Winkel der Welt auf, weiß,
schwarz, gelb oder kupferfarben; als Mann, Frau oder ein wenig von
beiden; reich, arm oder so aus der Mittelschicht.... ohne etwas
dazu sagen zu können. Es ist das Glücksrad des Lebens,
das skrupel- und rücksichtslos Treffer oder Nieten verteilt.
Nun gut, dieser Autor, der sich an Sie wendet, ist wie alle anderen
nie gefragt worden, hat aber Glück gehabt.
Glück... wegen der Zeit, zu der er geboren
wurde, wegen des Ortes, an dem er lebt, wegen der Familie, den Freunden,
deren Leiden und Freuden er teilt. Zeit, Ort, Personen - der Dreispitz
des Glücks oder Unglücks.
Ich kenne sie nun schon seit mehr als fünfzehn
Jahren. Wie alt sie ist, weiß ich nicht. Sie ist in Deutschland
geboren und lebt seit zweiundvierzig Jahren hier, Herz und Augen
altern nicht. Ihr Herz ist so groß wie kein anderes, ihre
Augen - blau wie das Meer an einem strahlend sonnigen Tag - haben
nicht das Geringste an ihrer Ausdrucksfähigkeit und Schönheit
verloren. Die Götter haben sie auserwähit, um sich an
ihrem Schaffen zu erfreuen. Sie war Model und Schauspielerin. Die
Welt lag ihr schon seit ihrer frühesten Jugend zu Füßen
und umgab sie mit Luxus. Der Prunk der Berühmtheit kapitulierte
vor der Sanftmütigkeit und Bescheidenheit einer Person, die
einen Film in "la bella Italia" so lange aufhalten konnte,
bis die beiden verirrten Hündchen, die sie immer und überall
begleiteten, wieder auftauchten. Sie stellte alles auf den Kopf,
oder wie man hier in diesem Falle mehr als treffend sagt, sie "verschob
nach Santiago", und die Dreharbeiten wurden erst nach dem glücklichen
Fund fortgesetzt.
Auch in Afrika hat sie gelebt und heiratete
dort einen österreichischen Bauunternehmer. 1964 kamen beide
nach Teneriffa. Die zwei Hündchen waren unterdessen zu viert,
begleitet von einem Pferd. Das Leben, das dem Ehepaar bisher alles
geschenkt hatte, widersetzte sich ihnen nun fortwiegend. Ein Krebsleiden
nahm ihr ihren Gatten und überließ sie alleine mit ihrer
Aufgabe: zwei Kinder, auf Teneriffa geboren, und ein Unternehmen,
das weitergeführt werden musste.
Vor zwanzig Jahren begann sie, ihre ganze Freizeit
den Tieren zu widmen, denen das fehlt, was ihre eigenen Haustiere
haben. Beinahe sofort wurde diese Freizeitbeschäftigung ein
Vollzeitjob. Jeden Tag, von frühmorgens bis spätabends
bemüht sie sich, herrenlose Hunde zu pflegen. Die Gleichgültigkeit
fällt immer mit der eigenen Umgebung zusammen. Ihr Haus war
ein Operationssaal, ein Pflegeraum und ein Tierheim für teilweise
mehr als
vierzig Hunde... Sie widmet ihr Leben und ihr Heim den herrenlosen
Tieren. Und das kommt ihr teuer zu stehen. Gesundheitlich hört
das Warnlicht nicht auf zu blinken. Nicht die Hunde sind es, die
sie misshandeln. Sie will nicht, dass man ihr den Weg glättet....
sie will nur, dass man sie arbeiten lässt.
Zutiefst verletzt wird sie durch eine Horde
skrupelloser Personen, die in den letzten Tagen eine Kampagne gestartet
haben, auch wenn sie nicht gegen sie persönlich gerichtet sein
soll Der Angriff kommt jedoch spät. Zu spät, um den Krieger
zu überraschen. Dieser Vorfall ist zyklisch. Sowohl sie als
auch der Autor haben festgestellt, dass die Zeit jeden an seinen
Platz weist. Niemand wird ihrer mächtig werden. Auch wenn das
erste Telefon am Morgen sie mit einem "Hurentochter, Mörderin..."
begrüßt.
Die Rohheit und Gemeinheit werfen nur Dreck
auf ihre Urheber, meistens sind es Dilettanten oder Besserwisser.
Je zur Hälfte. Gisela, niemand sieht die Sache objektiv: Tausende
von verlassenen Hunden - wörtlich, tausende - haben heute dank
Frau Zifferer ein neues Zuhause. Zufälligerweise ist sie die
Leiterin des Tierheims Valle Colino. Das "Vier-Sterne-Hotel"
für Hunde, dem diese unverantwortlichen Personen ein Ende setzen
wollen. Von hier aus ermutige ich die Behörden der vier Gemeinden,
dass sie das Tierheim und den Tierverein selbst mitfmanzieren und
nicht einfach mit verschränkten Armen
zusehen, sondern dass sie die Sache anzeigen. Die Gerechtigkeit
ist zwar langsam, aber am Ende kommt sie doch. Sie sollen die Sache
anzeigen und die Folgen auf sich nehmen. Man kann andere Personen
nicht einfach nach freiem Ermessen als Spiegel der eigenen Verdrossenheit
verleumden.
Der Tor schießt seine Pfeile zu früh
ab, und diese Dummköpfe haben nun keine mehr, Gisela, Dich
zu kennen war für mich ein großes Glück. Die Hunde
und die guten Menschen brauchen Dich immer noch. Und jene Horde,
die Dir aus weiß nicht welch unerklärlichen Gründen
schaden will, sollte das Sprichwort nicht vergessen, das im Spanischen
lautet: "Wenn Du mit einem Finger zeigst, sind die anderen
drei Finger auf Dich gerichtet"
Einen recht schönen Sonntag. adebernar@yahoo.es
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